Strategieziel Zukunftsfähige Arbeitsorganisation

Die Attraktivität eines Arbeitsverhältnisses entscheidet sich an allerster Stelle am Arbeitsplatz selbst. Dementsprechend ist es uns ein wichtiges Anliegen, sowohl in der Fabrik als auch im Büro ein innovatives Arbeitsumfeld bereitzustellen, dass individuelle Leistungsentfaltung ermöglicht. Hierzu gehören neue Arbeitsmethoden in der Wissensarbeit wie Scrum und Design Thinking, aber auch eine innovative Arbeitspolitik auf dem Shopfloor, z.B. durch eine konsequent beschäftigtenorientierte Technologie-Auslegung. Hinzu kommen auf individuelle Beschäftigtenbedürfnisse zugeschnittene Arbeitszeitmodelle und spezielle Programme für Beschäftigte mit besonderen Bedürfnissen, denn gerade diese Mitarbeitergruppen können durch individuelle Formen der Arbeitsorganisation auf ein deutlich höheres Leistungs- und Zufriedenheitsniveau gehoben werden.

Das Programm „Work2Work“ der Volkswagen AG z. B. eröffnet seit 2001 beispielweise leistungsgewandelten Beschäftigten neue berufliche Perspektiven im Unternehmen. Dabei werden die vorhandenen Potenziale der Beschäftigten mit den Anforderungen des Arbeitsplatzes so aufeinander abgestimmt, dass sich trotz Leistungswandlung eine hohe Wertschöpfung erzielen lässt. Nahezu 2.000 Menschen haben in den vergangenen Jahren das Programm durchlaufen. In rund 100 verschiedenen Tätigkeitsfeldern arbeiten in Wolfsburg derzeit 541 Mitarbeiter an Work2Work-Arbeitsplätzen. Insgesamt lag im Jahr 2016 der Anteil von schwerbehinderten Menschen an der Gesamtbelegschaft der Volkswagen AG bei 7,74 % und damit deutlich über der gesetzlich vorgegebenen Quote von 5 %. Der Einsatz von ca. 55 % der schwerbehinderten Menschen in der Fertigung zeigt, dass wir über hinreichend Erfahrung mit der Bereitstellung spezieller Arbeitsplätze für leistungsgewandelte Mitarbeiter haben. Auch international engagieren wir uns für unsere Beschäftigten mit Behinderungen. Dazu gehören zum Beispiel sechs geschützte Werkstätten an den ŠKODA-Fertigungsstandorten in Tschechien für mehr als 200 Menschen mit Behinderungen. Die Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen wird von uns auch durch die Vergabe von Aufträgen an Werkstätten für Menschen mit Behinderung gefördert. Im Jahr 2016 waren dies Aufträge im Wert von über 19,5 Mio. €.

Ausbau der Barrierefreiheit

Teil unserer Bemühungen um eine zukunftsorientierte Arbeitsplatzgestaltung ist der Ausbau der Barrierefreiheit. Dazu gehört, dass grundsätzlich alle Gebäude, Informationen und Kommunikationseinrichtungen von allen Mitarbeitern unabhängig von einer eventuell vorhandenen Einschränkung ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind. Um werksinterne barrierefreie Parkplätze, Bistros, Betriebsrestaurants, Selbstbedienungs-Shops, Aufzüge und Sanitätsstationen für alle Mitarbeiter leicht auffindbar zu machen, haben wir die „Karte der Barrierefreiheit“ erstellt, die fortlaufend aktualisiert wird. Wir erweitern unter anderem die Zahl barrierefreier Arbeitsplätze, Bildungsstätten und auch unsere Barrierefreienprozesse kontinuierlich. Im Jahr 2015 wurde z.B. für Ausbildungsplätze die barrierefreie Online-Bewerbung eingeführt und in 2016 weiter ausgebaut.

Innovative Arbeitszeitmodelle

Eine besondere Bedeutung im Rahmen innovativer Arbeitsorganisation messen wir flexiblen Arbeitszeitmodellen zu. Volkswagen arbeitet kontinuierlich daran, die Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben weiter zu verbessern. Im September 2016 hat die Volkswagen AG eine weitreichende Betriebsvereinbarung für die Arbeit außerhalb der Betriebsstätte (= mobile Arbeit) eingeführt. Bei der Audi AG haben die Beschäftigten seit Oktober 2016 Anspruch darauf, ortsunabhängig und zeitlich flexibel zu arbeiten, wenn es mit der Arbeitsaufgabe vereinbar ist. Diese Betriebsvereinbarungen kommen dem Wunsch vieler Beschäftigter nach mehr Flexibilität bei der Gestaltung von Arbeitszeit und Arbeitsort nach.

Ein sehr hohes Maß an Flexibilität bietet unsere Wiedereinstellungszusage: Seit rund 20 Jahren können Mitarbeiter der Volkswagen AG für bis zu acht Jahre ohne Angabe von Gründen aus dem Unternehmen ausscheiden. Unabhängig davon, ob die Freistellung zu Qualifizierungszwecken, als familiäre Auszeit oder zur Realisierung eines Sabbaticals genutzt wird, ist über den Zeitraum der Abwesenheit eine Wiedereinstellung nach dem vorherigen Beschäftigungsverhältnis garantiert. Beschäftigtenorientierte Sabbatical-Lösungen gibt es auch bei Audi und Porsche. Grundlage dafür ist bei Audi seit 2009 die Betriebsvereinbarung „Sabbatical“ und bei Porsche die Gesamtbetriebsvereinbarung „Freiwillige persönliche Auszeit“ von 2014. Dieses Sabbatical-Modell besteht aus einer Arbeitsphase und einer vom Mitarbeiter selbst finanzierten Freistellungsphase. Für die Freistellungsphase gilt die Mindestdauer von zwei Monaten und die maximale Dauer von zwölf Monaten.

Auch bei der Pflege und Betreuung naher Angehöriger unterstützen wir unsere Beschäftigten mit einem breiten Spektrum an Möglichkeiten zur Freistellung. Kurzfristig können Mitarbeiter bis zu zehn Tage von der Arbeit befreit werden, um etwa eine bedarfsgerechte Pflege zu organisieren. Zudem können sie sich bis zu sechs Monate vollständig oder teilweise für die Pflege eines Angehörigen freistellen lassen. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, im Rahmen von Familienpflegezeit bis zu 24 Monate in Teilzeit zu arbeiten, um den Pflegeaufgaben nachkommen zu können. Porsche bietet seinen Mitarbeiter seit 2014 eine Pflegezeit an: Tritt ein akuter Pflegefall in der Familie auf, können sie sich bis zu drei Monate freistellen lassen.

Wir glauben, mit diesen Maßnahmen einen wesentlichen Beitrag zur Attraktivität und Zukunftsfähigkeit der Arbeitsplätze bei Volkswagen und damit auch zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu leisten.