Strategieziel Exzellenter Arbeitgeber

Ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, ist kein Selbstzweck. Nur wenn wir von außen als attraktiv wahrgenommen werden, können wir auf kleiner werdenden Talentmärkten die besten Mitarbeiter für uns gewinnen. Und nur wenn wir unsere an neue Mitarbeiter gerichteten Versprechen auch nach innen halten, sichern wir uns dauerhaft die Leistungsbereitschaft und Motivation unserer Mannschaft.

Die Strategie „We empower to perform“ verzahnt diese beiden Perspektiven miteinander, da sie die Durchgängigkeit des Arbeitgeberversprechens und der „employee experience“, also des täglichen Erlebens unserer Qualität als Arbeitgeber, bruchlos in den Blick nimmt. 

Diese Integration verschiedener Mitarbeiterperspektiven gelingt uns im Alltag nicht immer, aber offenbar immer öfter: Trotz der Belastung durch die Dieselkrise haben wir im Jahr 2016 eine Reihe von Auszeichnungen als attraktiver Arbeitgeber erhalten und in verschiedenen Arbeitgeberrankings Spitzenpositionen erreicht. So belegte der Volkswagen Konzern im Ranking des Beratungsinstituts „trendence“ bei angehenden Ingenieuren, IT-Experten und Wirtschaftswissenschaftlern den Platz 3 der attraktivsten Arbeitgeber Europas. Über 300.000 Absolventen der Ingenieur-, IT- und Wirtschaftswissenschaften aus insgesamt 24 europäischen Nationen wählten wie im Vorjahr den Volkswagen Konzern in der „trendence“-Befragung zudem zum beliebtesten Arbeitgeber in der Automobilbranche.

Das Young Professionals Barometer, mit dem „trendence“ Karrierevorstellungen und Erwartungen ermittelt, hatte 2016 zum Ergebnis, dass fast 10.000 Young Professionals aller Fachrichtungen mit ein bis acht Jahren Berufserfahrung unsere Konzernmarke Audi auf Platz 3 und den ebenfalls zum Konzern gehörenden Sportwagenbauer Porsche auf Platz 6 platzierten. Die Marke Volkswagen fiel aufgrund der Dieselkrise in der Gunst der Befragten von Platz 16 auf Platz 31. In eine vergleichbare Studie des Marktforschungsinstitutes Universum, in der berufserfahrene Ingenieure nach ihrem Wunscharbeitgeber befragt wurden, wurde Audi auf Rang 2 platziert, während Porsche Rang 3 belegte. Die Marke Volkswagen kam auf Platz 7. 

Unter tschechischen Absolventen hat „trendence“ ŠKODA Auto als beliebtesten Arbeitgeber ermittelt. Aber auch in anderen Ländern zählt Volkswagen mit seinen 12 Marken zu den angesehensten Arbeitgebern, darunter in Spanien, Großbritannien, Mexiko, Südafrika und China.

Neben dem externen Bild, das sich Absolventen und Young Professionals von uns machen, gibt es natürlich auch eine interne Perspektive, nämlich den Blick unserer Mitarbeiter auf ihren Arbeitsplatz und sein Umfeld. Die Personalpolitik im Volkswagen Konzern ist darum bemüht, auf allen Ebenen die Voraussetzungen für ein positives Erleben von Volkswagen als Arbeitgeber zu schaffen. Hierzu zählen neben interessanten Arbeitsaufgaben und attraktiven Arbeitsbedingungen auch eine Reihe von personalpolitischen Grundsätzen, welche die Stellung der Mitarbeiter als selbstbewusste, unternehmerische und kreativ in Entscheidungen eingebundene Beschäftigte stärken sollen. Vor allem drei Elemente möchten wir hier hervorheben:

  • die Kodifizierung von konzernweit gültigen Arbeitnehmerrechten in Leitlinien und Chartas
  • die Mitarbeiterbeteiligung durch gewählte Vertreter und
  • die Teilhabe unserer Belegschaften am Erfolg 

Arbeitnehmerrechte im Volkswagen Konzern

Das Fundament für die Ausgestaltung langfristiger, für die Mitarbeiter attraktiver Arbeitsbeziehungen sind mit dem Europäischen- und Welt-Konzernbetriebsrat vereinbarte Chartas und Erklärungen, die unseren Mitarbeitern Sicherheit im Hinblick auf ihre kollektiven Rechte am Arbeitsplatz und die Auslegung ihrer Arbeit geben. Hierzu gehören:

  • Die Erklärung zu den sozialen Rechten und den industriellen Beziehungen bei Volkswagen (Sozialcharta).

    In dieser Erklärung schrieb Volkswagen im Jahr 2002 die grundlegenden sozialen Rechte der Arbeitnehmer fest. Diese orientieren sich an den einschlägigen Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation. Eine neue Fassung der Sozialcharta wurde 2012 unterzeichnet.

  • Die Charta der Arbeitsbeziehungen. Die Charta wurde im Herbst 2009 in Kraft gesetzt und verknüpft erweiterte Mitspracherechte mit Mitverantwortung. Sie sieht Unterrichtungs-, Konsultations- und Mitbestimmungsrechte für die Arbeitnehmervertretungen der im Europäischen und Welt-Konzernbetriebsrat vertretenen Marken, Gesellschaften und Standorte vor.
  • Die Charta der Zeitarbeit. Damit verständigten sich Konzernleitung, Europäischen- und Welt-Konzernbetriebsrat im November 2012 auf Grundsätze zur Zeitarbeit, wie zum Beispiel eine Richtgröße zum Verhältnis zwischen Zeitarbeitnehmern und Stammbelegschaft, Equal Pay, Equal Treatment, Qualifizierungsmaßnahmen sowie eine zeitliche Begrenzung des Einsatzes auf
    36 Monate mit anschließender Prüfung der Möglichkeit auf Übernahme.
  • Die Charta der Berufsausbildung. Neben einer hohen Ausbildungsqualität sollen auch attraktive Ausbildungsbedingungen an den jeweiligen Konzernstandorten gewährleistet werden. Die im Jahr 2015 verabschiedete Charta sieht die Berufsausbildung als ein zentrales Thema der Arbeitsbeziehungen vor. Vor diesem Hintergrund sollen die betrieblichen Parteien im Rahmen der Umsetzung der Charta der Arbeitsbeziehungen Aspekte wie Auswahlprozess für die Auszubildenden, Dauer und Qualität der Berufsausbildung sowie Übernahme der Ausgebildeten in ein Beschäftigungsverhältnis gemeinsam festlegen. 

Diese grundlegenden Normen und Verabredungen legen auf Konzernebene die Basis für die Rechte der gewählten Arbeitnehmervertreter, die im Europäischen- und Welt-Konzernbetriebsrat vertreten sind. Sie bilden den verbindlichen Rahmen, um die bestehenden Arbeitsbeziehungen vor Ort verantwortungsvoll und im Sinne der kooperativen Konfliktbewältigung weiterzuentwickeln.

Mitarbeiterbeteiligung durch gewählte Vertreter und kollektive Verhandlungen

Volkswagen verfügt über eine weltweit anerkannte Kultur der Mitbestimmung von Arbeitnehmern. An vielen Standorten gibt es eine duale Vertretungsstruktur der Beschäftigten mit einer gewerkschaftlichen Interessenvertretung und einem Betriebsrat. Zahlreiche Gesellschaften verfügen zudem über Aufsichtsgremien, in denen Arbeitnehmer vertreten sind. Die Internationale Charta der Arbeitsbeziehungen räumt den Arbeitnehmervertretungen weltweit die Möglichkeit ein, Vereinbarungen mit dem lokalen Management über genau definierte Informations-, Konsultations- und Mitbestimmungsrechte abzuschließen.

Diese weitgehende Form der Beteiligung hat sich im Lauf der Jahrzehnte als sehr erfolgreich erwiesen: Bei wesentlichen Veränderungen, wie zum Beispiel dem im Jahr 2016 verhandelten Zukunftspakt für die Marke Volkswagen, werden die Arbeitnehmervertretungen bereits früh in die Planungen einbezogen. So ist sichergestellt, dass Veränderungsprozesse gemeinsam angegangen und von der gesamten Belegschaft mitgetragen werden. Dabei ist das System der Mitbestimmung nicht statisch. Die Strukturen der internationalen Arbeitnehmervertretungsgremien werden kontinuierlich an die Weiterentwicklung des Unternehmens angepasst. Neben dem Europäischen- und Welt-Konzernbetriebsrat (1990 bzw. 1999 gegründet) wurden in den letzten Jahren mehrere Ausschüsse etabliert, um die zunehmende Komplexität des Konzerns abzubilden, beispielsweise die Ausschüsse Nutzfahrzeuge, Finanz- und Vertriebsgesellschaften sowie Maschinenbau. Im Jahr 2016 wurde die Gründung eines eigenen Ausschusses für die Marke Volkswagen beschlossen, der im Jahr 2017 seine Arbeit aufnimmt. Die Ausschüsse des Europäischen- und Welt-Konzernbetriebsrates treffen sich mindestens einmal jährlich. Überdies tagen alle Mitglieder des Europäischen- und des Welt-Konzernbetriebsrates einmal im Jahr in einer gemeinsamen Sitzung beider Gremien. Neben dem internen Austausch zur aktuellen Situation an den Standorten und gemeinsamen Diskussionen findet dabei auch ein Austausch mit den jeweiligen Personalleitern und der Konzernleitung statt, um über zukünftige Produkt- und Belegschaftsplanungen sowie über Sozial- und Personalstandards zu informieren und zu beraten.

Vergütung und Leistungsförderung, Erfolgsbeteiligung und Alterssicherung

Foto: Auszubildende vor Auto

Gemäß unserer Sozialcharta sollen die Vergütungen und Leistungen, die für eine normale Arbeitswoche gewährt werden, mindestens dem jeweils rechtlich gültigen und zu garantierenden Minimum entsprechen – dies gilt nicht nur für Mitarbeiter sondern auch für alle Zulieferer. Fast überall liegen allerdings unsere Löhne deutlich über den üblichen Mindeststandards; auch deswegen, weil wir diese mit Gewerkschaften in freien Tarifverhandlungen aushandeln. Bei der Festlegung der Entlohnung wird nicht nach Geschlecht differenziert: Unsere Arbeitnehmer werden ausschließlich auf der Grundlage ihrer Qualifikation und ihrer Fähigkeiten ausgesucht, eingestellt und gefördert. Die Vergütung richtet sich strikt nach der ausgeübten Tätigkeit.

Im Jahr 2016 wurden insgesamt neun Tarifvertrags- und Kollektivvertragsabschlüsse an internationalen Pkw-Produktionsstandorten ausgehandelt. Dabei kamen auch Mittel des Arbeitskampfes zum Einsatz: Bei Lamborghini, Ducati und Italdesign gab es Streiks im Rahmen der nationalen Tarifverhandlungen in der italienischen Metall- und Elektroindustrie. Auch bei Scania in São Bernardo do Campo (Brasilien) wurde die Arbeit im Rahmen von Tarifverhandlungen niedergelegt. Von politisch motivierten Streiks waren Konzernstandorte in Brasilien und Belgien betroffen: Ein regionaler Streik gegen geplante Sparmaßnahmen und Reformen der Regierung führte bei Volkswagen do Brasil im Werk Anchieta zu einer eintägigen Arbeitsniederlegung. Bei Audi Brüssel wurde im Rahmen nationaler Streiks gegen beschlossene sowie geplante Sparmaßnahmen und Reformen der Regierung protestiert. Als Unternehmen betrachten wir rechtmäßige Streiks als einen legitimen Ausdruck der in Anspruch genommenen Arbeitnehmerrechte unserer Belegschaften.

Auch die systematische Förderung und Honorierung von Leistung sowie die Ausrichtung der Vergütungssysteme auf eine nachhaltige Beteiligung der Beschäftigten am erreichten Unternehmenserfolg sind wichtige Kennzeichen eines exzellenten Arbeitgebers. Seit 2010 gibt es in der Volkswagen AG durchgängige und einheitliche Kriterien für die Entwicklung von Kompetenz und für die Bewertung von Leistung. Diese Kriterien gelten für die gesamte Belegschaft – vom Auszubildenden bis zum Top-Manager. Sie sind durch konkrete Anreizsysteme in der Entgeltstruktur unterlegt.

Für die Tarifbeschäftigten der Volkswagen AG gilt zudem ein Entgeltsystem, das aus drei Hauptelementen besteht:

  • Der Grundvergütung in Form eines wettbewerbsfähigen monatlichen Entgelts,
  • der leistungsorientierten Vergütungskomponente, die zusätzlich die Leistungen jedes Einzelnen honoriert, und
  • dem tariflich vereinbarten Anspruch auf Ergebnisbeteiligung.

Dieses dreistufige Vergütungssystem hat sich als Instrument zur Teilhabe der Belegschaft am Erfolg bewährt. 

In den Konzerngesellschaften im In- und Ausland profitieren die Mitarbeiter von weiteren betrieblichen Leistungen.

Neben einem attraktiven Vergütungssystem für die aktiven Mitarbeiter kümmern wir uns auch um das finanzielle Auskommen im nächsten Lebensabschnitt. Mit einer betrieblichen Altersversorgung leisten die Volkswagen AG sowie ihre Marken- und Tochtergesellschaften einen wichtigen Beitrag dazu, das Einkommen im Alter abzusichern. Neben den arbeitgeberfinanzierten Komponenten haben die Beschäftigten die Möglichkeit, durch Entgeltumwandlung selbst Vorsorge aus dem Bruttoentgelt zu betreiben. Die Direktversicherung ist eine weitere Möglichkeit der arbeitnehmerfinanzierten Vorsorge durch Entgeltumwandlung. 

Das Zeit-Wertpapier der Volkswagen AG ist ein Instrument zur Verkürzung der Lebensarbeitszeit. Seit 1998 können Beschäftigte aus ihrem Bruttoentgelt und aus Zeitguthaben Beträge einbringen. Das aufgebaute Zeit-Wertguthaben kann für eine bezahlte Freistellung vor der Altersrente verwendet werden. Auch diese Angebote tragen dazu bei, unsere Attraktivität als Arbeitgeber nachhaltig zu steigern.

Dazu zählen je nach Standort Transport- und Verpflegungszuschüsse, kostengünstiger Wohnraum, monatliche Kinderbetreuungszuschüsse sowie Vergünstigungen für ausgewählte Freizeitaktivitäten. Zusätzliche Leistungen in der Gesundheitsversorgung oder Rentenzusatzversicherungen ergänzen das Angebot standortspezifisch.

Die Gewährung umfassender sozialer Rechte, eine starke betriebliche Interessenvertretung, die Einbindung in Entscheidungsprozesse und eine erfolgsorientierte Vergütung sowie die angemessene Absicherung im Alter bilden die Grundsteine unserer Arbeitgeberattraktivität und den materiell belastbaren Kern der Ausrichtung unserer Personalpolitik. Ergänzt werden diese Faktoren um zahlreiche Initiativen, Regelungen und Programme, welche die Entwicklung unserer Belegschaften in Richtung vielfältig einsetzbarer Spitzenmannschaften fördern sollen.